Erste Stresstests bestanden!

Im Herbst wurde im Südwesten Deutschlands erstmals das neue Bitumenadditiv Addipave™ WM 23 der Business Unit LAB im Straßenbau verarbeitet. Für Asphalt-Experte Thomas Klein war das ein großer Tag. Denn am Ende aller Forschung zählt nur eines: Wie bewährt sich eine nachhaltige Innovation mit vielen besonderen Eigenschaften in der Praxis? Ziemlich gut, könnte das vorläufige Fazit lauten.

Die Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 2025 war für Thomas Klein ziemlich spannend. In dieser Nacht wurde sein Additiv erstmals in einem Straßenabschnitt verarbeitet – und musste zeigen, was es kann. Ziel war, die Temperatur beim Asphaltieren um 30 bis 40 Grad Celsius zu senken, natürlich ohne Einbußen bei Qualität oder Verarbeitbarkeit. Mit der Forschung an diesem Projekt hatte sich der Experte für Asphaltadditive der Business Unit LAB in Mannheim bereits seit einigen Jahren beschäftigt. Zusätzlich ist sein Produkt auch noch nachhaltig – es besteht hauptsächlich aus nachwachsenden Rohstoffen. In Labortests überzeugte Addipave™ WM 23. „Trotzdem kann im Praxistest immer noch einiges passieren“, sagt Klein.

Temperaturen runter – weniger Dämpfe
Doch es kam zu keiner bösen Überraschung. Der Kooperationspartner, die Kurpfälzischen Asphaltmischwerke (KAM) mit Laborsitz in Heidelberg, hatte das Additiv zuvor selbst ausführlich getestet. Danach holte das Unternehmen die Zustimmung der Autobahn GmbH ein, um das Additiv an einer Autobahnanschlussstelle der A5 bei Walldorf zu verarbeiten. Denn das Produkt ist noch nicht im regulären Handel. „Wir hatten weder bei der Herstellung des Asphalts noch in den einzelnen Verarbeitungsschritten Probleme – im Gegenteil“, berichtet Salim Lawand, Laborleiter bei den KAM. „Teilweise konnten wir die Temperatur sogar stärker absenken als ursprünglich geplant.“ Asphalt, bestehend aus Gestein und Bitumen, muss stark verdichtet werden – Temperaturen von bis zu knapp 190 Grad Celsius sind dafür nötig. Spart man dabei 30 Grad ein, bedeutet das eine erhebliche Energieersparnis. Zudem verdampfen bei niedrigeren Temperaturen weniger gesundheitsschädliche Stoffe. „Das ist uns natürlich sehr wichtig. Unsere Kolleginnen und Kollegen sollen sich keiner Gesundheitsgefährdung aussetzen“, sagt Lawand. Der Baustoffprüfer zeigt sich angetan vom Additiv. Doch eigentlich beginnt die spannende Phase erst nach der Verarbeitung. Der vergangene Winter war teilweise ungewöhnlich kalt. Temperatursprünge von bis zu 20 Grad sind für Asphalt ein echter Stresstest. „Aber unser Straßenstück hat das sehr gut überstanden. Ich fahre ab und zu darüber“, sagt Klein. Nun kommt noch der Sommer – im Südwesten durchaus mit sehr hohen Temperaturen. „Das wird dann eine echte Herausforderung für die Straße.“

Leichter verarbeiten
Klein möchte das Additiv langfristig im Straßenbau etablieren. Eine neue Regelung kommt ihm dabei entgegen: Ab 2027 sollen die Arbeitsplatzgrenzwerte für Dämpfe gesenkt werden. Zusätzlich erfüllt das Additiv auf Basis von Schwefelträgern wichtige Nachhaltigkeitskriterien. „Wir konnten in der Zusammenarbeit mit KAM belegen, dass unser Additiv sogar die Verarbeitung von Asphaltgranulat erleichtert.“ Klein ist mit dem bisherigen Ergebnis sehr zufrieden. Die KAM kennt er seit Jahren: „Wir pflegen schon lange eine enge Beziehung. Nur wenn es auf der persönlichen Ebene stimmt, sind auch neue Entwicklungen möglich. Wir brauchen unsere Kunden als Kooperationspartner bei Innovationen.“

Nächstes Ziel: Autobahn Die KAM gehören zu einem großen Bauunternehmen im Straßenbau. Sie überzeugt zu haben, ist auf jeden Fall ein Anfang. Ende März wird Klein in Willingen auf einem Asphaltseminar das Produkt und seine Wirkungsweise vorstellen. Dort spricht er vor Technikern der Branche. Klein ist überzeugt von der Innovation – und freut sich schon auf den Tag, an dem Addipave™ WM 23 für einen Autobahnabschnitt eingesetzt wird. „Das ist dann die Königsdisziplin – mehr Stress gibt es für Asphalt nicht.“

Zitate:
„Ohne die jahrelange vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unserem Kooperationspartner und Kunden, den Kurpfälzischen Asphaltmischwerken, wäre die Entwicklung unseres neuartigen Bitumen-Additivs kaum möglich gewesen. Solche Innovationen entstehen nur im intensiven Austausch.“
Thomas Klein, BU LAB, Mannheim

„Die Arbeit mit dem neuen Bitumen-Additiv war von Anfang bis Ende unproblematisch. Im Gegenteil: Das Additiv hat sich positiv auf die Verarbeitbarkeit ausgewirkt. Und dass weniger Dämpfe entstehen, ist für uns ein entscheidender Pluspunkt. Denn die Gesundheit unserer Kollegen auf der Baustelle sowie im Asphaltwerk hat für uns Priorität.“
Salim Lawand, Laborleiter, KAM