Energiewirtschaft
Wasserkraft trifft Klimaziel

Mit einem neuen Energievertrag versorgt LANXESS fünf deutsche Standorte künftig mit grünem Strom aus Wasserkraft – und spart 60.000 Tonnen CO₂ ein. Dekarbonisieren und trotzdem wettbewerbsfähig bleiben: 
Wie das funktioniert, erläutert Alexander Sonnenberg.

Herr Sonnenberg, Glückwunsch zum Vertragsabschluss! Warum ist die Zusammenarbeit mit VERBUND, einem der größten Wasserkrafterzeuger Europas, so wichtig für uns?
Weil er uns eine verlässliche Vollversorgung mit Grünstrom aus Wasserkraft sichert – rund um die Uhr. Mit dem Dreijahresvertrag beziehen wir 200.000 Megawattstunden Grünstrom direkt vom Erzeuger, konkret aus Wasserkraftwerken am bayerischen Inn. Damit versorgen wir unsere Standorte in Bergkamen, Bitterfeld, Brunsbüttel, Mannheim und Wietmarschen und sparen gegenüber dem deutschen Strommix etwa 60.000 Tonnen CO₂ ein – ein messbarer Beitrag zu unserer Klimabilanz. Dass uns dieser Schritt in einem stark umkämpften Markt gelungen ist, zeigt unsere Stärke als Team.

Wie treibt der Energieeinkauf denn die Klimaziele von LANXESS voran?
Wir verantworten die Scope-2-Emissionen – das sind alle Emissionen, die wir über Energieverträge einkaufen – und die sollen bis 2040 bei null liegen. Dabei geht es nicht nur um Strom, sondern auch um Dampf, Kälte, Druckluft und Wasser. Diese Energieformen sind für unsere Werke entscheidend und verursachen einen großen Teil unserer Gesamt-Emissionen.Damit wir hier vorankommen, stehen wir in engem Austausch mit den Standorten, den Business Units und den Group Functions wie Corporate Development und Communications. Jede Anlage hat andere Anforderungen, und jedes Land hat eigene regulatorische Vorgaben. Das macht unsere Arbeit komplex. 

Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen – und wie packen Sie sie an?
Die größte Herausforderung ist die Dekarbonisierung des Dampfes. Während wir beim Strom deutliche Fortschritte gemacht haben, stammt unsere wichtigste Energieform bislang überwiegend aus Erdgas oder Kohle. Wenn wir CO₂‑neutral werden wollen, müssen wir hier grundlegend umdenken. In Krefeld‑Uerdingen sind deshalb Investitionsentscheidungen für zwei neue E‑Kessel getroffen worden, die 2026 und 2027 in Betrieb gehen werden. Diese Technik ermöglicht es uns gleichzeitig, auf positive Preissignale aus dem Strommarkt zu reagieren – etwa den „PV‑Peak“ zu den Mittagsstunden im Sommer. In Bitterfeld wollen wir künftig einen Batteriespeicher nutzen, um Lastspitzen zu glätten und von günstigeren Netzentgelten zu profitieren. Egal welchen Ansatz wir wählen: Entscheidend ist, dass alle Maßnahmen wirtschaftlich tragfähig bleiben.. 


Wie hat die globale politische Lage Ihren Job verändert?
Die Energiepolitik ist unberechenbarer geworden. Länder setzen unterschiedliche Schwerpunkte: Deutschland auf Nachhaltigkeit und Regulierung, die USA auf den Ausbau fossiler Energieträger. Das beeinflusst Preise, Verfügbarkeit und unsere Beschaffung. Hinzu kommt: Der globale Erdgasmarkt und die regionalen Strommärkte sind eng miteinander verflochten, sodass Angebotsengpässe oder geopolitische Ereignisse direkt unsere Strom- und damit auch unsere Herstellkosten beeinflussen.

Für uns heißt das: schneller reagieren und Entwicklungen bei Energie- und CO₂‑Preisen ständig neu bewerten. In einer unruhigeren Welt sind verlässliche politische Rahmenbedingungen in Deutschland deshalb wichtiger denn je – für Versorgungssicherheit und Klimaschutz.

Infobox:
Energieversorgung im Chempark
•    Unsere Gebäude und Produktionsbetriebe an den drei Chempark-Standorten LEV, DOR und UER werden zentral durch CURRENTA mit allen erforderlichen Energien versorgt.
•    LANXESS arbeitet dabei eng mit dem Chempark-Betreiber zusammen und bringt seine Anforderungen sowie Nachhaltigkeitsziele gezielt in die heutige und zukünftige Energieversorgung ein.

Zitat:
Schlüsselposition für Klimaziele
„Als Energieeinkauf sitzen wir in einer Schlüsselposition, an der sich entscheidet, wie schnell und zu welchen Kosten wir unsere Klimaziele erreichen können.“