„Ich sag lieber nichts …“
Warum Schweigen Teams bremst – und wie Vertrauen Leistung freisetzt
Ein
Meeting. Neue Sparziele. Enge Budgets. Eine kritische Frage liegt in
der Luft – doch niemand traut sich, sie zu stellen. Eine Kollegin sieht
einen Fehler, sagt aber nichts, weil sie Angst hat, sich angreifbar zu
machen. Ein anderer hat eine Idee, die das Projekt verbessern könnte,
entscheidet sich aber dagegen, sie zu teilen. Vielleicht ist sie ja zu
gewagt … Und wer überlastet ist, spielt Stärke vor, um nicht als
„überfordert“ zu gelten.
Solche Momente wirken klein – können
jedoch dauerhaft zu Problemen führen. „Menschen halten sich zurück, wenn
sie Angst haben, Schwäche zu zeigen“, sagt Organisationsberater Jonas
Höhn. „Fehlt ein vertrauensvolles Miteinander, sinkt die
Leistungsfähigkeit des gesamten Teams. Probleme werden später
angesprochen, ehrliches Feedback bleibt aus. Die Angst vor Fehlern
blockiert mutige Ideen.“ Um seine Mitarbeitenden zu stärken, rückt
LANXESS im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements in diesem
Jahr die mentale und soziale Gesundheit – und ganz konkret das Thema
„Psychologische Sicherheit" – in den Mittelpunkt. Im Xpress-Interview
erläutert der Experte, warum es dabei um weit mehr als einen
„Kuschelkurs“ geht.
Herr Höhn, was versteht man unter psychologischer Sicherheit – und warum ist das Thema gerade jetzt so relevant für LANXESS?
Psychologische
Sicherheit bedeutet, dass Menschen offen sprechen können: Fragen
stellen, Zweifel äußern, Fehler zugeben oder andere Perspektiven
einbringen – ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Die
Harvard-Professorin Amy Edmondson, die den Begriff geprägt hat, zeigt in
ihrer Forschung: Leistungsstarke Teams zeichnen sich nicht dadurch aus,
dass sie weniger Fehler machen – sondern dass sie früher darüber
sprechen. Das macht vor allem in Krisensituationen einen entscheidenden
Unterschied.
Wie entsteht denn Vertrauen in Teams – und welche Folgen hat das, wenn es fehlt?
Ob
ich mich in meinem Arbeitsumfeld sicher, gesehen und wertgeschätzt
fühle, entsteht in kleinen Situationen. Darf ich ausreden? Werden
kritische Fragen ernst genommen? Kann ich sagen: „Das habe ich nicht
verstanden“ – ohne mich zu schämen? Und: Wird ein Fehler als Lernmoment
behandelt oder als persönliches Versagen?
Fehlt Vertrauen,
werden Menschen vorsichtiger und befinden sich quasi dauerhaft im
Stressmodus. Statt Lösungen zu suchen, geht es plötzlich darum, bloß
nichts falsch zu machen. Die Folgen sind deutlich: Entscheidungen dauern
länger, Silos verhärten sich, Innovation bleibt aus. Psychologische
Sicherheit ist deshalb kein „Nice-to-have“, sondern eine
Grundvoraussetzung dafür, dass Teams unter Druck leistungsfähig bleiben.
Was kann ich konkret tun, um den Knoten zu lösen?
Oft
braucht es einen wahrnehmbaren ersten Schritt! In jedem Team braucht es
Menschen, die sich trauen, den Anfang zu machen – und zu zeigen, dass
Offenheit erlaubt ist. Wenn jemand sagt: „Da lag ich falsch“ oder „Ich
brauche Unterstützung“, sendet das ein starkes Signal: Schwäche zeigen
ist hier kein Risiko. Dieser Moment wirkt ansteckend. Sobald eine Person
sich öffnet, trauen sich andere ebenfalls, ehrlich zu sein. Probieren
Sie es einfach mal aus!
Kann man sich angesichts der aktuellen Krise denn überhaupt sicher fühlen?
Ein
vertrauensvolles Miteinander ersetzt natürlich keine wirtschaftliche
Stabilität – aber es hilft, Unsicherheit auszuhalten. Es schafft einen
Raum, in dem Menschen sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam
Lösungen entwickeln. Genau das macht Teams widerstandsfähig.
Resilienz
entsteht nicht durch individuelles Durchhalten, sondern durch
gemeinsames Vertrauen. Psychologische Sicherheit macht Krisen nicht
einfacher – aber sie macht Teams weiterhin handlungsfähig. Gerade in
anspruchsvollen Zeiten ein klarer Wettbewerbsvorteil!
Zitat
„In
Teams mit hoher psychologischer Sicherheit trauen sich Menschen,
Risiken einzugehen, frühzeitig Probleme anzusprechen und voneinander zu
lernen. Das macht diese schneller, innovativer und widerstandsfähiger –
besonders in Zeiten von Unsicherheit oder Veränderung."
Jonas Höhn, Gründer detoxRebels
Infoboxen
Interesse?
Am 28. April, 10 Uhr, hält Jonas Höhn einen Online-Vortrag bei LANXESS (Details im Xnet).
Fragen zur Reihe ans BGM-Team:
gesundheit@lanxess.com
Das Change-Management-Team der GF COM unterstützt gerne bei Workshops und Impulsen zum Thema.
managing.change@lanxess.com
Info
5 Tipps für den Arbeitsalltag
1. Fragen stellen – nicht nur Antworten erwarten
Offene Fragen zeigen: Perspektiven sind erwünscht.
2. Fehler als Lernmomente behandeln
Nicht „Wer ist schuld?“, sondern „Was nehmen wir mit?“.
3. Klarheit statt Perfektion
„Ich habe das nicht verstanden“ ist professionell – nicht peinlich.
4. Wertschätzung hörbar machen
Ein konkretes „Danke, dass du das sagst“ wirkt stärker als jede abstrakte Anerkennungskultur.
5. Rituale etablieren
Check-ins, „Learning der Woche“, regelmäßige Feedback-Runden: Struktur hilft, Offenheit nicht dem Zufall zu überlassen.